Netzfundstück: Interessanter Kommentar zur momentanen Diskussion des Videobeweises im Fußball – Hockey wird hier lobend als Beispiel erwähnt
09. März 2010 Aha. Strittige oder gar fehlerhafte Entscheidungen gehören also dazu und sind gerade das Schöne am Fußballsport – zumindest so ist vom Internationalen Fußball-Verband (Fifa) erklärt worden, warum nach der Entscheidung des International Football Association Board weiterhin auf technische Hilfsmittel verzichtet wird. Der Fußball soll menschlich bleiben, aber möglicherweise denkt beispielsweise ein Spieler anders darüber, der mit seinem Verein gerade abgestiegen ist und später im Fernsehen sehen muss, was er vorher mehr als nur ahnte: irregulär.
Aber egal, ab in die zweite Liga, mit allem, was dazu gehört wie Gehaltskürzungen, Rauswurf des Trainers, Kündigungen auf der Geschäftsstelle und Einbußen für alle, die etwa mit ihrem Würstchenstand indirekt am Wohlergehen eines Vereins beteiligt sind.
Echt schön, wie menschlich es im Fußball zugeht, und die ganze Verantwortung hat eben nur einer auf dem Platz. Selbst vorausgesetzt, er erledigt seine Aufgabe nach bestem Wissen und Gewissen und hat keine anderen Interessen: Bürdet die Fifa da nicht ihren Schiedsrichtern in einem Spiel, das nicht nur Millionen Menschen, sondern auch Millionen Euro bewegt, etwas viel auf? Ist das noch menschlich, dass ein Schiedsrichter sich im Fall der Fälle jahrelang Spott und Häme ausgesetzt sehen wird, von anderen Übergriffen ganz zu schweigen?
Blick zum Eishockey und Hockey
Es ginge ja auch anders, es geht ja auch anders. Die Beispiele aus anderen Sportarten haben die Fifa und vor allem die hauptsächlich aus Großbritannien stammenden obersten Regelhüter allerdings nicht überzeugt, dabei hätten sie dieser Tage nur vom Eishockey in Vancouver weiter nach Neu-Delhi zur Hockey-WM schauen müssen. Den Video-Schiedsrichter hatte der Internationale Hockey-Verband schon vor vier Jahren eingeführt. Damals ging es – wie gerade im Fußball – nur um die simple Frage Tor oder nicht Tor, und nur der Schiedsrichter konnte bei seinem Kollegen nachfragen.
Nun sind die Aufgaben des Mannes vor dem Bildschirm sogar noch erweitert worden. Jede Mannschaft hat einmal pro Partie das Recht, die Überprüfung einer Entscheidung im Schusskreis zu verlangen. Liegen die Spieler richtig mit ihrer Sicht der Dinge, bekommen sie eine weitere Möglichkeit. Also werden in Indien derzeit nicht nur Tore überprüft, auch vermeintliche Regelverstöße im Schusskreis landen beim Video-Schiedsrichter.
Erleichterung für den Schiedsrichter
Auf die Fifa, für die eine Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters das höchste Gut ist, damit dessen Autorität nicht untergraben wird, muss das wie Sodom und Gomorrha wirken. Ganz so geht es auf dem Hockeyplatz allerdings nicht zu – schon eher ist das Gegenteil richtig. Weil sogar die Dialoge des Schiedsrichters mit Spielern oder dem Video-Kollegen im Fernsehen übertragen werden, ist die Transparenz groß.
Unüberhörbar geht es sehr „menschlich“ zu, es wird mitunter sogar geflachst – vielleicht, weil ein Fehler kein Fehler bleiben muss. Schließlich ist es eine Erleichterung für den Schiedsrichter, dass er nicht alleine entscheiden muss, was er aufgrund der Schnelligkeit des Spiels und der Bauweise des menschlichen Auges manchmal gar nicht erfassen kann. Vor was hat der Fußball, der sich als die wichtigste aller Sportarten fühlt, eigentlich Angst?
Von Peter Penders
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP
This entry was posted on Mittwoch, März 10th, 2010 at 17:49 and is filed under DHB, Hockey, Netzfundstück, Presse. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

